Internistische Diabetologische Schwerpunktpraxis 

Hausärzte (HZV) Knappschaftsärzte Prosper 

Dr.med. Elke Böing Gastroenterologie 

Dr.med.Wilhelm Tinnefeld Angiologie 

46240 Bottrop

Horsterstr. 372a 

Tel:  02041/760071  

Fax: 02041/760073

✉ Tinnefeld-Diabetes@T-online.de    


 

Praxis   
geöffnet ab   
7.30 - 11.30 (Mo - Fr)
14.30-17.30 (Mo - Di - Do)

Hafertage

als 

Entlastungstage 

für den Zuckerstoffwechsel


Sehr geehrte Patienten!

 

Einige von Ihnen werden sicher bemerkt haben, dass wir in unserer Praxis seit einiger Zeit statt hoher Insulindosen oder noch mehr Tabletten eine dreitägige „Hafer-Reis-Kur“ empfehlen.  

Diese Empfehlung gilt ausschließlich für Typ-2-Diabetiker, auf keinen Fall für Typ-1-Diabetiker (sog. jugendliche oder Insulinmangel-Diabetiker!). Siehe auch den Haftungsausschluss am Schluss des Beitrages!

 

Was steckt hinter dieser Empfehlung?

Zunächst einmal möchten wir betonen, dass die sog. „Hafer-Reis-Tage“ keine neue Erfindung und keine Innovation aus der Naturheilkunde sind, sondern bereits vor der Zeit, in der es Insulin zur Behandlung gab, also vor 1921, eine von Dr. Carl von Noorden um 1910 entwickelte, erfolgreiche Methode war, übergewichtige Diabetiker, die unter  einer „Insulinresistenz“ litten, zu behandeln und ein diabetisches Koma zu verhindern.

 

Was ist eine Insulinresistenz?

Die Mehrheit der Typ-2-Diabetiker (früher „Altersdiabetes“ genannt) leidet unter einer Insulinresistenz, d.h. unter einer Unfähigkeit, das vom eigenen Körper produzierte Insulin als Türöffner für Muskel-, Gehirn- und Leberzellen wirken zu lassen, um den im Blut kreisenden Zucker als lebenswichtigen Energieträger in die Zellen hinein zu lassen. Die Folge ist, dass viel zu viel Insulin und auch zu viel Zucker im Blut zirkulieren, ohne dass diese wichtigen Energiebausteine dort ankommen, wo sie eigentlich benötigt werden: nämlich in den Muskel- und Gehirnzellen. Ursächlich ist zumeist die übermäßige Vermehrung des Bauchfetts, das diverse Hormone und andere stoffwechselaktive, aber schädliche Substanzen produziert (unter anderem sog. freie Fettsäuren, Glycerin und Lactat, Leptin, Resistin, Adiponektin, Zytokine) und die Leber zu einer überhöhten Zuckerproduktion veranlasst, obwohl ohnehin schon zu viel Zucker im Blut zirkuliert.  

 

Wie wirken die„Hafer-Reis-Tage“?

Nachdem die Hafertage lange Zeit in Vergessenheit geraten waren und scheinbar modernere Medikamente effektiver schienen, sind die Hafertage jetzt wieder Gegenstand der modernen Forschung. Der genaue Wirkungsmechanismus ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, eine Erklärung könnte sein, dass durch diese Ernährung nur langsam die lebenswichtigen Kohlenhydrate aus der Nahrung im Darm verdaut werden und nur langsam ins Blut übergehen, so dass sowohl die Bauchspeicheldrüse wie auch die Muskel-, Leber- und Gehirnzellen Zeit genug haben, sich an den ins Blut gelangenden Zucker anzupassen und die Zellen unter dem Einfluss von Insulin in Ruhe ihre Tore für den notwendigen Zucker öffnen können.

 

Wie „funktionieren“ die Hafer-Reis-Tage?

Es gibt unterschiedliche Empfehlungen für Hafertage, wobei wir zunächst 3 Hafertage hintereinander und – je nach Reaktion des Körpers –ein- bis zweimal im Monat- für einen Tag eine Wiederholung empfehlen. Hungern müssen Sie an diesen Tagen keineswegs! Eines haben alle Empfehlungen gemeinsam: Fett und größere Mengen Eiweiß in der Nahrung ist an diesen Tagen verboten!

  

Sie sehen: so schlimm sind diese Hafer-Reis-Tage nicht!

 

Schlussfolgerung und unsere Erfahrungen: Zurzeit sind wissenschaftliche Untersuchungen im Gange, die Aufschluss geben sollen über die Häufigkeit und Nachhaltigkeit der Wirkung der o.g. Hafertage. Unsere Erfahrungennach Einführung der Hafertage im Mai 2014 in unserer Praxis:

 

nachdem wir bei ca. 800 Patienten die sog. “Hafertage“ empfohlen haben:

-     Bei ca. 80 von 800 Patienten hat sich kein Erfolg eingestellt

-    Bei ca. 160 von 800 Patienten konnte die Insulindosis um 30 bis 50% reduziert werden und erstmals wieder normale Blutzuckerwerte im Blutzucker-Tagesprofil erreicht werden

-     Bei ca. 70 Patienten konnte die Insulintherapie (zumindest vorläufig) abgesetzt werden

-     Bei ca. 100 von 800 Patienten konnte die Tablettenbehandlung (und deren mögliche Nebenwirkungen) reduziert oder abgesetzt werden.

-    In fast allen Fällen konnte (Ausnahme: 6 Patienten) eine angedachte stationäre Behandlung verhindert werden.

 

Was wir derzeit noch nicht genau wissen:

-       Wie lange die Wirkung der oben beschriebenen Diät

         vorhält, d.h. wie nachhaltig sie wirkt.

-       Wie oft sie wiederholt werden muss

-       Nach welchem Zeitraum letztendlich doch eine Insulintherapie

        oder Steigerung der Tablettenbehandlung notwendig ist

 

Was wir sicher wissen:  

Wir brauchen Ihre Mithilfe:

-         das heißt, dass alle oben beschriebenen Maßnahmen nur sinnvoll wirken können, wenn Sie sich regelmäßig im Rahmen Ihrer körperlichen und zeitlichen Möglichkeiten bewegen

-         dass Sie sich auch in der Zeit zwischen den Hafertagen diabetes-gerecht und kalorienarm ernähren und nur in Maßen Alkohol trinken

-         die „Hafer-Reis-Tage“ sind keine erlaubte und sinnvolle, im Einzelfall sogar eine gefährliche Maßnahme, wenn Ihr Blutzucker durch fieberhafte Infektionen oder durch eine notwendige Cortisontherapie entgleist ist oder wenn bei Ihnen ein Insulinmangelzustand (Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse nach jahrzehntelangem Diabetes, sog. Sekundärversagen) oder eine Sonderform des Diabetes vorliegt.

-         Bitte verordnen Sie sich auf keinen Fall  selbst –ohne Rücksprache mit uns- eine Hafer-Reis-Diät!!!

 

So wird's gemacht:

Zur Erklärung: 1KHE=1 Kohlenhydrateinheit (früher Broteinheit) entspricht etwa 10 bis 12 Gramm Kohlenhydraten, siehe auch entsprechende Tabellen im Internet.


Für die ganz eiligen oder diejenigen, die aus beruflichen Gründen viel unterwegs sind: es gibt, vergleichbar mit den unten stehenden Rezepten inzwischen in allen Drogeriemärkten, Reformhäusern und auch Kaufhäusern Fertigprodukte, die den den genannten Anforderungen entsprechen und in Fertigportionen verpackt mit Wasser angerührt, eine nachhaltige und schmackhafte Mahlzeit nach oben genannten Kriterien erfüllen. Achten Sie bitte beim Einkauf auf die Menge "Zucker" der Nahrungsmittel, diese sollten pro Portion 5 gramm nicht überschreiten!

Nachstehend noch ein alternatives Rezept von unserem Bottroper Hobby-Koch Helmut Stein, das sich ebenfalls als blutzuckersenkend und als sehr schmackhaft bewährt hat:
 
 

 

 

 

 

Weitere bewährte Rezepte:


Beispiel 1:

Frühstück:

2KE (=Kohlenhydrateinheit=Broteinheit) bzw. 20 bis 25gr. Vollkornbrot oder –brötchen belegt mit süßem Aufstrich oder Vollkornbrot belegt mit Tomaten, Gurken oder anderer Rohkost, oder 2KE= 20 bis 25gr. Vollkornhaferflocken

Mittagessen:

3KE = 30 bis 35 gr Nudeln, Kartoffeln, Reis oder  Bulgur mit Tomatensauce und beliebiges Gemüse bzw. Salatteller, 1 KE = 10-12gr. frisches Obst, frische Kräuter, Zitronensaft oder Essig, Süßstoff ist erlaubt. Keine Öle oder Fette für die Salatsauce verwenden!!!

Abendessen:

4KE = 40 bis 50gr Vollkornbrot oder –brötchen oder 40 bis 50gr Vollkornhaferflocken, belegt mit Obst oder Rohkost (Gurken, Sellerie, Radieschen, Tomaten etc.).

Salz und Gewürze, salzhaltige fettfreie Suppen (gekörnte Brühe) sind erlaubt.

 

Als Getränke: Mineralwasser,Kaffee, Tee, Diätlimonaden oder andere zuckerfreie Getränke.

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Beispiel 2:

1. Frühstück:

2KE Reis (30gr im Trockenzustand, 100gr gekocht);

alternativ: 2 KE Haferflocken (40gr) oder 2 KE Bulgur (35gr roh)

1KE Obst

Wasser, evtl. Süßstoff

2. Frühstück

2 KE Obst

Mittagessen:

3 KE Reis (45 gr trocken, 150 gr gekocht);

alternativ: 3KE Haferflocken (60 gr) oder 3 KE Bulgur (50gr roh)

300gr Gemüse je nach Jahreszeit

Gewürze (wenig Salz, Fondor, Brühe)  

Nachmittag:

2 KE Obst

Abendessen:

3 KE Reis (45 gr trocken, 150 gr gekocht);

alternativ: 3KE Haferflocken (60 gr) oder 3 KE Bulgur (50gr roh)

300gr Gemüse je nach Jahreszeit

Gewürze (wenig Salz, Fondor, Brühe)

Spätmahlzeit:

2 KE Obst

 

Als Getränke:

Tee, Mineralwasser,Kaffee (keine Milch, Buttermilch, keine Obststäfte)    

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Beispiel3:

Frühstück:

75gr Haferflocken in 350-500ml heißem Wasser ausquellen lassen.

Mit 25 gr Beeren (frisch oder tiefgekühlt) verfeinern.

Ggf.mit Zitrone oder Stevia abschmecken.

Mittagessen:

75gr. Haferflocken in 350-500ml Wasser oder fettfreier Gemüsebrühe kurz aufkochen lassen. 50gr Lauch klein schneiden und hinzufügen. Der Lauch kann roh verwendet werden oder vorher in einer beschichteten Pfanne gedünstet werden. Nach Belieben Kräuter hinzufügen.

Abendessen:

jenach Geschmack wie Frühstück oder Abendessen.

 

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Alternativen/Abwechslung zum Mittagessen:

 

Porridge mit Mandeln und Zimt (für eine Person):

Zutaten:

         - 1/2 Liter Trinkwasser

         - 10 gr. gehobelte Mandeln

         - 66gr. kernige Haferflocken

         - etwas Zimt

         - etwas Süßstoff

 

Zubereitung:

Wasser mit Zimt aufkochen

Haferflocken einrühren und ausquellen lassen

Mandeln unterrühren und mit wenig Süßstoff abschmecken

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Haferrisotto mit Schnittlauch (für eine Person):

Zutaten:

 - 8-Kräuter-Tiefkühlmischung oderfrisch oder Schnittlauch (je 

   nach Geschmack)

 - 1/2 Liter Trinkwasser

 - ca.7gr. Brühgewürz(Gemüsesuppe/Brühwürfel nach Geschmack)

 - 65gr kernige Haferflocken

 

Zubereitung:

Gemüsebrühe aufkochen

Haferflocken einrühren und ausquellen lassen

Kurz vor dem Anrichten frische Kräuter unterrühren.

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 Eine Haferkur ist eine Kurzzeit-Diät mit Hafer als Hauptbestandteil.

 

 

Guten Appetit und viel Erfolg!

 

Guten Appetit und viel Erfolg!

Ihr Praxisteam

Britta Slykers/Dr. Ulrich Tinnefeld  

 

Rezepte + Infos zu Hafertagen
Hafertage bei Insulinresistenz statt Medikamente - Download

 

 

Dres. med. Wilhelm und Ulrich Tinnefeld

Diabetologische Schwerpunktpraxis

Horster Str. 372a

46240 Bottrop

 

Wichtiger Hinweis des Autors: Die sog. "Hafer-Reis-Tage", wie oben beschrieben, sollten grundsätzlich nur nach Rücksprache mit Ihrem Diabetologen bzw. Ihrer Diabetesberaterin erfolgen. Ansonsten übernimmt der Autor keinerlei Haftung für Personen-, Sach- und sonstige Folgeschäden. Zu einem falschen Zeitpunkt oder mit einer nicht sachgerecht angepassten Tabletten- oder Insulinmedikation angewandt, kann es im Einzelfall zu schweren Unterzuckerungen mit Bewusstseinsstörungen oder Bewusstseinsverlust kommen, da oftmals der Insulinbedarf bzw. der Blutzucker kurz nach Anwendung der Hafertage stark absinkt. In diesen Fällen gefährden Sie sich selbst oder z.B. beim Autofahren oder Bedienen gefährlicher Maschinen auch andere und verlieren wegen grober Fahrlässigkeit Ihren Versicherungsschutz.

Autor: Dr. Ulrich Tinnefeld